Übersetzung von Kürzestprosa in der Praxis

Deutsch – Portugiesisch

Ziel ist es, zu zeigen, wie Deutsch-Studierende in Brasilien durch die Übersetzung fiktionaler Texte Übersetzungsstrategien erlernen, interaktive Lernprozesse fördern und kulturelle Konzepte reflektieren.

 

Studierenden der UFMG in Brasilien wurden in einem Übersetzungsseminar 2022.2 Denkanstöße und Strategien für den Umgang mit fiktionalen Texten vermittelt. Folgende Grundprinzipien wurden erörtert: Zugänglichkeit eines Textes; Verständnis grundlegender Übersetzungskonzepte, z. B. die Bedeutung der Beibehaltung des Wesens und der Verwendung angemessener Ausdrücke (Hansen-Schirra; Silvia Hansen-Schirra, Kiraly 2013).
Neben anderen ausgewählten Texten der deutschsprachigen Literatur, übersetzte jede:r Studierende mehrere Kapitel aus „das zehn zeilen buch“ von Sudabeh Mohafez. Die Auseinandersetzung mit diesem literarischen Kurzformat und dem Inhalt des Werks eröffnete Raum für Austausch über kulturelle Konzepte (João Azenha Junior 2016). Am Ende des Semesters fand ein Online-Workshop mit der Autorin statt. Der Schwerpunkt lag auf dem Verstehen und der Produktion von Botschaften und nicht auf der wörtlichen Übersetzung wie zu Beginn (Kautz 2022). Besonders hervorhebend ist die gemeinsam erfasste Erkenntnis, dass jede:r Übersetzer:in ein Stück weit Schriftsteller:in mit jedem Text wird.
Der Einsatz pädagogischer Übersetzungsstrategien kann interaktive Effekte erzeugen. Übersetzung kann als Werkzeug eingesetzt werden, um Bedeutung auf kommunikative Art und Weise zu verstehen und auszudrücken (Dell Hymes 1973; Wilga Rivers 1997). In diesem Kontext kann die Hypothese des verständlichen Inputs von Stephen Krashen (1989) diskutiert werden, welche besagt, dass der Kontakt mit verständlicher Sprache für den Spracherwerb grundlegend sei.